Streetwork im Gemeinwesen

Teestube "komm" des Evangelischen Hilfswerks München unterstützt von Wohnungslosigkeit bedrohte und wohnungslose und Menschen

Anlass

Im Jahr 2000 wurden in München immer mehr öffentliche Plätze Treffpunkt für Menschen, die zwar über Wohnraum verfügen, sich aber meist in Gruppen Alkohol kon­sumierend an öffentlichen Plätzen aufhalten ("Wohnungsflüchter"). Ihr Verhalten in der Öffentlichkeit führt zu Interessenskonflikten mit Anwohnern und Gewerbetreibenden und auch zu einem Imageverlust des Quartiers. Bei den Betroffenen besteht meist eine Alkoholproblematik (Gefährdung oder Abhängigkeit) mit teilweise massiven gesundheitlichen Folgeschäden, eine Tagesstruktur fehlt, Angebote des Hilfesystems greifen nicht oder werden nicht genutzt. Diese Mehrfachproblematiken machen eine Vernetzung von Wohnungslosen- und Suchtkrankenhilfe erforderlich.

Projektziele

Vermittlung von Hilfen zur nachhaltigen Verbesserung der von Armut, Erwerbslosigkeit, Einsamkeit und gesundheitlichen Beeinträchtigungen geprägten Lebenssituationen. Erhalt bzw. Wiedererlangung von Wohnraum, Vermeidung eines weiteren Abgleitens in die Alkoholproblematik, Sicherung der materiellen und gesundheit­lichen Grundversorgung. Langfristig Verbesserung der Lebensbedingungen durch Alkoholabstinenz und Vermittlung einer Tagesstruktur (Arbeit, Freizeit). Vernetzung mit der sozialen Infrastruktur und Mitarbeit in Arbeitskreisen im jeweiligen Stadtviertel, um für die Situation der Klientel zu sensibilisieren und ihre Akzeptanz im Sozialraum zu fördern.

Umsetzung

Aufsuchende Sozialarbeit für von Wohnungslosigkeit bedrohte oder wohnungs­lose Menschen an öffentlichen Plätzen in München. Die Streetworker begehen der­zeit Plätze im Hasenbergl und in Haidhausen, am Sendlinger Tor, an der Münchner Freiheit, am Michaelibad und am Gärtnerplatz. Beginn 2001 mit zunächst einer Sozialpädagogen-Stelle, 2006 Einrichtung einer zusätzlichen halben Stelle. 2009 wurde der Personalstamm auf 2,5 Vollzeitstellen ausgeweitet, angebunden an die Teestube "komm", die einen Tagesaufenthalt für wohnungslose Menschen bietet. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 256 Personen erreicht, 54% davon waren neue Kontakte. 81% der Personen waren 40 Jahre oder älter, 23% von ihnen Frauen.

  • Kontakt- und Beratungsgespräche, Vermittlung von Hilfen, Entwicklung und  kontinuierliche Fortschreibung von Hilfeplänen
  • Individuelle Unterstützungsangebote und Motivation zur Wahrnehmung von  Therapiemaßnahmen und ärztlichen Behandlungen
  • Erarbeitung von tagesstrukturierenden Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und beteiligten Einrichtungen

Geplant sind Fallkonferenzen und Runde Tische, bei denen Vertreter der an der Versor­gung der Zielgruppe beteiligten Einrichtungen zusammenkommen.

Dokumentation: Projektdarstellung, Jahresbericht Teestube "komm" 2009, Evaluations­berichte für die Bereiche Hasenbergl und Haidhausen und Kosten-Wirksamkeits-Abschätzung des Süddeutschen Instituts für empirische Sozialforschung (2008)

Ressourcen, Finanzierung

Das Projekt wird finanziert über Zuschüsse der Stadt München – seit 2009 ist es verankert im Haushalt der Landeshauptstadt (Referat für Gesundheit und Umwelt, Sozialreferat) – und aus Eigenmitteln des Trägers Evangelisches Hilfswerk München. Kooperation und Vernetzung mit der Wohnungslosenhilfe, Fachdiensten und Einrichtungen der Suchtkranken- und der sozialpsychiatrischen Hilfe, psychiatrischer und allgemeiner Medizin, Trägern und Einrichtungen des Wohnungsmarktes sowie mit dieser Thematik befassten Behörden (z.B. ARGE)

Kommentar im Projekt

"Das Projekt wurde gegründet mit dem Ziel, Menschen, die sich aufgrund von Einsamkeit trotz vorhandener Wohnung auf der Straße treffen und dort in Gruppen Alkohol konsumieren, ein Kontakt- und Beratungsangebot zu machen, um weitere kör­perliche und psychische Verelendung zu vermeiden."
Evaluationsbericht 2008: "Stellt man die Kosten für die Streetwork im Gemeinwesen den ersparten Folgekosten gegenüber (Wohnraumerhalt, Haftvermeidung, suchtspe­zifische Folgekosten einer Chronifizierung), ergibt sich eine deutlich positive Bilanz."

Kontakt

Evangelisches Hilfswerk München
Teestube "komm" – Streetwork
Ansprechpartner: Franz Herzog, Anton Auer
Zenettistraße 32, 80337 München
Tel. 089-771084
teestube-komm@hilfswerk-muenchen.de
www.hilfswerk-muenchen.de

Stand der Projektinformation: Mai 2010